Die Aufgabe ist es 10 Minuten ohne den Stift – bzw. die Tastatur – abzusetzen zu schreiben, was die „guten Momente“ beim Schreiben waren. Ich finde es schwierig die Frage zu beantworten, weil ich insgesamt den Prozess meiner Promotion mag und gerne promoviere. Nicht, weil es immer toll ist und ich keine Höhen & Tiefen kenne, sondern viel mehr, weil ich überzeugt bin, dass die Zeit, in der ich promoviere, eine wertvolle Zeit in meinem Leben ist. Ich genieße es, meine Zeit frei einzuteilen, selbst entscheiden zu können, wann ich was tue und mich nicht unbedingt dafür rechtfertigen zu müssen.

Wahrscheinlich muss ich mich sogar gar nicht rechtfertigen, aber das muss ich mir selbst immer wieder bewusst machen, denn ich habe das Gefühl, dass ich es muss. In letzter Zeit merke ich aber, dass es vor allem ich selbst bin, die sich den Druck macht, wissen zu wollen, was ich wann getan hab und immer etwas hinterher zu laufen, wovon ich noch gar nicht so genau weiß, was das ist. Klar, kommen da die Fragen von außen „Warum promovierst du?“ „Was willst du nach deiner Promotion machen?“ „Hast du dir promovieren zu vorgestellt?“ „Was macht frau eigentlich den ganzen Tag, wenn sie promoviert?“ usw. Das hat mich selbst zum Nachdenken gebracht. Anfangs fiel es mir noch leicht(er) zu sagen, dass ich promoviere, weil es mir Spaß macht in der Wissenschaft zu arbeiten und ich mich – zumindest für einen begrenzten Zeitrahmen – dort wohl fühle. Während ich die erste Zeit in der Wissenschaft war, „nur“ weil es mir dort gut gefällt, habe ich inzwischen ein Ziel, nämlich die Promotion abzuschließen und bin auch sehr optimistisch, dass ich das erreichen werde. Ich muss mir aber selbst auch immer wieder bewusst werden, und das hat mit der Zeit zugenommen, dass es Arbeit ist eine Dissertation zu schreiben und dass ich diese selbst auch als solche anerkennen sollte, um nicht immer das Gefühl zu haben auf der einen Seite jede Menge Zeit zu haben und andererseits aber irgendwie auch nie.
Die guten Momente, um nochmal auf das Thema zurück zu kommen, sind also aus meiner Sicht, die Momente, wo mir auch klar wird, dass ich schon etwas geleistet habe, das von außen manchmal vielleicht sogar leichter gesehen wird, als es mir selbst bewusst ist und ich mich auch wohlfühle bei der Vorstellung, dass der Prozess eben noch nicht zu Ende ist. Dann stünde ich ja viel schneller vor der Entscheidung, wie es denn weiter geht. Mit der Frage hab ich mich inzwischen auch schon beschäftigt und für mich gerade ein Lösung gefunden, die ganz gut passt und ich erinnere mich regelmäßig daran (versuche es) mir zu sagen, dass es auch gut ist, wenn sich diese „Lösung“ mal ändert und mir eine andere spannender erscheint. – Was lässt sich schon so genau planen?

[Oktober 2016]