Ich liebe es ja mit der Bahn zu fahren – aber mein Rad werd ich so schnell nicht mehr im Fernverkehr mitnehmen! Es mag eine Verkettung unglücklicher Umstände gewesen sein, aber das ändert nichts daran, dass es umständlich ist.

Mein erster Versuch der Fahrrad-Mitnahme scheiterte daran, dass im IC alle Fahrrad-Plätze belegt waren. Okay, an einem Sonntag in der Ferienzeit und der Zug fuhr nach Sylt. Dafür hab ich verständnis. Ich wusste, dass es sinnvoll ist mindestens am Tag vorher zu reservieren – das geht aber leider nicht online oder nur in Verbindung mit einer Fahrkarte. Die brauch ich nicht als BahnCard100-Fahrerin.

Für die nächste Fahrt hab dem Fahrrad also frühzeitig einen Platz reserviert (witzig, dass mein Rad Zugbindung hat, ich selbst aber nicht :)). Ging ohne Probleme, ein IC an einem Dienstag.

Erster Teil der Strecke im Regionalexpress, Umstieg in Gießen mit gutem Zeitpuffer, alles kein Problem. Die geänderte Wagenreihenfolge hatte ich wahrgenommen, mich im entsprechenden Gleisabschnitt aufgehalten. Auch die Durchsage bestätigte, dass das Fahrradabteil sich in Abschnitt A befünde. Jetzt noch die Treppen hoch, rein in den Zug, geschafft. Der nachfolgenden Radfahrerin mit angepackt. Super. Aber mein reservierter Platz ist belegt?! Was ist da passiert? Der Schaffner wusste Bescheid: „Sie hätten vorne im Zug einsteigen müssen, ich hab Sie gesehen, aber Sie waren zu schnell“. Na, wer kann auch ahnen, dass es zwei Fahrrad-Abteile gibt?! Und dann auch noch mit Wagennummer 6 und 16. Er zählte durch, kontrollierte die folgenden Reservierungen und teilte mir dann mit, dass es vom Platz her nicht passt und ich beim nächsten Halt tatsächlich umsteigen musste… für seine Mühe bin ich ihm trotzdem dankbar.

Nächster Halt, der Zug steht, die Türen lassen sich öffnen – aber vor der Tür des Fahrradwagens ist kein Bahngleis, das endet schon früher. “ Da hat der Zugführer sich leider etwas verbremst. Nehmen Sie die nächste Tür.“ Wie gut, dass ich dafür mit Rad durchs Abteil musste – mein Lenker war leider zu breit, gemeinsam mit dem Rad passte es nicht. Danke an den Herren, der kurzerhand das Rad vorn anpackte, es gemeinsam durch den Zug trug und mir anreichte, nachdem ich ausgestiegen war.

Und dann: Sprint den Zug entlang, alle Schaffner warteten – freundlich und auskunftsbereit, denn die Wagenreihung war nicht etwa sinnvoll sortiert. Hochgehoben, reingehieft, außer Atem und – ich hatte es schon geahnt – mein reservierter Fahrradplatz war einer zum Hochhängen. Da bekam ich mein Rad beim besten Willen nicht alleine hoch, denn die nebenliegenden waren belegt, mir fehlte die Kraft. Schließlich fuhr mein Rad an einem anderen Platz mit, an das ich es gemeinsam mit dem nächsten Schaffner gehängt hatte.

„Wer mit dem Fahrrad Bahn fährt, braucht am besten einen Helfer dabei“ (sagte der Radfahrer, der sein Rad kurz vor Marburg mit all seinen Taschen und Utensilien bestückte und ebenso dumm drein schaute als kein Bahngleis vor der Tür auf uns wartete).

Wie gut, dass ich an dem Tag wieder sprechen konnte. Am Tag vorher hatte ich keine Stimme, da hätte ich nicht mal nach Hilfe fragen können.